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„Die Kirmesbranche war schon immer ihrer Zeit voraus“
KOMET-Gespräch mit Atze J. Lubach-Koers
Vorsitzender des niederländischen Schaustellerverbandes BOVAK

Die Volksfest-Saison 2016 ist vorbei. In Europa beginnt die Zeit der Weihnachtsmärkte. Wir haben bei den nationalen ESU-Verbänden nachgefragt, wie die Volksfeste in ihrem Land gelaufen sind und welche aktuelle Themen sie beschäftigen. Heute im KOMET-Gespräch: Atze J. Lubach-Koers, Vorsitzender des niederländischen Schaustellerverbandes De Nationale Bond van Kermisbedrijfhouders (BOVAK).

Herr Lubach, wie war der Verlauf der Volksfest-Saison 2016 in den Niederlanden?
Atze Lubach:
Auch bei uns in den Niederlanden hatten wir keinen guten Start. Und das lag, wie in vielen europäischen Nachbarländern, am schlechten Wetter im Frühjahr. Wir stellen fest, dass der Sonntag als Familientag für die niederländischen Schaustellerbetriebe immer wichtiger wird. Nun sind in diesem Jahr in den Monaten Mai und Anfang Juni viele Sonntage regelrecht verregnet und das war natürlich schlecht für den Umsatz. In den Sommermonaten Juli, August und September ging es dann besser. Als positive Beispiele möchte ich die Kirmessen in Nijmwegen, Ueden oder Tilburg nennen.
Wie gesagt, das Wetter ist so wichtig für unsere Branche geworden. Sind die Bedingungen gut, dann kommen die Besucher. Natürlich gibt es, im Vergleich zu früher, heute viel mehr Konkurrenzveranstaltungen, wie Festivals und Stadtfeste. Die Menschen haben weniger Geld und die Auswahl an Unterhaltungs- und Freizeitmöglichkeiten ist viel größer geworden.

Welche Themen beschäftigen die niederländischen Schausteller aktuell?
Atze Lubach:
Die Themenpalette ist sehr groß. Um nur um zwei aktuelle Beispiele zu nennen: Die regelmäßigen Inspektionen, Überprüfungen und Abnahmen unserer Fahrgeschäfte bedeuten einen sehr hohen Aufwand an Bürokratie, Zeit und natürlich Kosten. In Europa sind die Überprüfungsintervalle unterschiedlich. So müssen bei uns in den Niederlanden die Fahrgeschäfte einmal pro Jahr abgenommen werden.
Ein anderes Thema, das wir mit unseren Mitgliedern derzeit intensiv diskutieren, ist die Ausspielung von Spielpistolen. Diese Spielwaren sind von echten Waffen manchmal kaum zu unterscheiden. Auf den Plätzen hat es bereits Kontrollen durch die Polizei gegeben. 
Das Thema Steuern ist aktuell bei uns nicht so brisant, wird aber im nächsten Jahr wohl wieder aktuell, weil dann Wahlen in den Niederlanden stattfinden. Der reduzierte Steuersatz muss erhalten bleiben. Wir bleiben da am Ball und beobachten intensiv die Entwicklungen. 

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Atze Lubach ist seit Januar 2016 BOVAK-Vorsitzender
 

Wie lauten Ihre Forderungen an die Politik?
Atze Lubach:
Ich bin jetzt seit Anfang des Jahres Vorsitzender der BOVAK. Für mich war es in den ersten Monaten sehr wichtig, Kontakte zu den Ansprechpartnern in Politik und Verwaltung, im Bund und in den Gemeinden zu knüpfen, um so wirksam die Interessen der niederländischen Schausteller zu vertreten. Die Lobbyarbeit wird auch in nächster Zeit ein Schwerpunkt sein. Grundsätzlich geht bei unseren Forderungen darum, dass die Rahmenbedingungen für unsere Branche stimmen.

Vor welchen zukünftigen Herausforderungen steht die niederländische Schaustellerbranche?
Atze Lubach:
Für uns ist die langfristige Sicherung der Volksfeste, und hier spreche ich vor allem von den kleinen Dorfkirmessen, sehr wichtig. Wir müssen den Besuchern deutlich machen, dass ihre Kirmessen eine Zukunft haben. Das bedeutet, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten: Schausteller, Städte und Gemeinden, Einzelhandel, Hotellerie, Restaurants. Es gibt bei uns so viele kulturelle Veranstaltungen, die eng verknüpft sind mit der Kirmes; hier gilt es, Synergieeffekte zu nutzen. Viele Regionen in den Niederlanden haben ihre eigenen kulturhistorischen Feste. Und die kombiniert mit den Kirmessen, das brauchen wir.
Mit Blick auf die anstehenden Weihnachtsmärkte kann ich sagen, dass diese Veranstaltungen für uns immer wichtiger werden. Es entstehen neue Märkte in den Städten. Viele Kollegen fahren nach Schottland oder England, um dort an den Weihnachtsmärkten teilzunehmen. 

Stichwort: Europa. Welche Bedeutung hat für Sie die Europäische Schausteller-Union?
Atze Lubach:
Die BOVAK ist seit ihrer Gründung eng mit der ESU verbunden. Unser im letzten Jahr verstorbene Ehrenpräsident Bertus Donks hatte von 1971 bis 2008 als Vizepräsident für Finanzen maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Europäischen Schausteller-Union zu einer anerkannten Berufsorganisation in Europa. Seine Arbeit wird seit vielen Jahren von Nicole Vermolen erfolgreich weitergeführt. Die ESU ist eine der ältesten internationalen Berufsverbände. Das zeigt, dass die Schausteller schon früh erkannt haben, wie wichtig es ist, sich über die Grenzen hinweg auszutauschen und gemeinsam Interessen zu vertreten. So gesehen war die Kirmesbranche war schon immer ihrer Zeit voraus. Man redet auf Augenhöhe miteinander, diskutiert und erarbeitet Lösungen zum Wohle der Volksfeste und für die Zukunft unserer Branche.

Zur PersonSeit
Ende Januar 2016 ist Atze J. Lubach-Koers Vorsitzender des niederländischen Schaustellerverbandes BOVAK (De Nationale Bond van Kermisbedrijfhouders). Er übernahm das Amt von ESU-Vizepräsidentin Nicole Vermolen, die über viele Jahre erfolgreich den niederländischen Verband leitete. Die Volksfeste und das Schaustellergewerbe sind seit 25 Jahren eine große Leidenschaft von Atze J. Lubach-Koers, der u.a. als Mitarbeiter der Schaustellerfachzeitschrift „Dé Kermisgids“ tätig war.