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„Wir können mit dem Saisonverlauf zufrieden sein“
Interview mit Finnlands Schaustellerpräsident Tuomo Seiterä

Die Volksfeste heißen in Finnland „Tivolis“ und gibt es dort seit über 130 Jahren. Die Saison startet im April und endet im September. Tivolis sind mobile Freizeitparks, die, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, in den Städten zumeist von einem Schaustellerbetrieb organisiert werden. Wir sprachen mit dem Präsidenten des Finnischen Schaustellerverbandes Tuomo Seiterä über die aktuelle Entwicklung der Volksfeste und der Schaustellerbranche im hohen Norden Europas.

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Das Team vom Freizeitpark Tivoli Seiterä
 

Wie war die Volksfest-Saison 2016?
Tuomo Seiterä:
Insgesamt können wir mit dem Saisonverlauf und den wirtschaftlichen Ergebnissen zufrieden sein. Die Betriebe verzeichnen in diesem Jahr ein leichtes Umsatzplus. Und das, obwohl wir, wie fast überall in Europa, mit schlechtem Wetter zu kämpfen hatten. Fast vier Wochen hat es nur geregnet. Ich persönlich bin sehr stolz über das 50-jährige Jubiläum unseres mobilen Freizeitparks Tivoli Seiterä, das wir in diesem Jahr feiern konnten. In diesem Zusammenhang haben wir viel Geld unter anderem in die Neuanschaffung von Fahrgeschäften und für Fahrzeuge investiert.

Welche Themen beschäftigen die finnischen Schausteller aktuell?
Tuomo Seiterä:
Wie wohl in allen europäischen Ländern sind auch bei uns die Volksfestgebühren ein aktuelles Thema. Die permanente Erhöhung der Kosten für die Plätze stellt uns vor große Probleme. Ein weiteres Thema sind die Sondergenehmigungen und Fahrlizenzen für die Schaustellertransporte. Die Rechtslage ist nach wie vor undurchsichtig und unbefriedigend. Die Polizei macht uns bei uns bei Kontrollen immer wieder Probleme. Im Jahr 2018 soll ein neues Führerscheingesetz kommen und dort sollen Ausnahmeregelungen für Schausteller eingebaut werden.

Wie lauten Ihre Forderungen an die Politik?
Tuomo Seiterä:
Finger weg vom reduzierten Mehrwertsteuersatz! Die politische Diskussion um Steuererhöhungen und hängt wie ein Damoklesschwert über uns.
Zwar gibt es derzeit noch einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für Schausteller, aber die Regierung plant, wegen der wirtschaftlichen Probleme im Land, die Ausnahmen abzuschaffen. Für uns hätte das fatale Folgen, weil wir die entstehenden Kosten nicht auf die Besucher abwälzen können. Sollte eine Erhöhung durchgesetzt werden, würde das die Schausteller vor große Schwierigkeiten stellen. Es würde das mögliche Aus für Betriebe und damit auch für traditionelle Veranstaltungen bedeuten. 

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Volksfestvergnügen made in Finnland
 

Worin sehen Sie die zukünftigen Herausforderungen Ihres Verbandes?
Tuomo Seiterä:
Wichtig ist die Sicherung der Volksfeste und dass die Gebühren nicht erhöht werden. Es müssen halt die Rahmenbedingungen für unser Gewerbe stimmen, um auch in Zukunft wirtschaftlich arbeiten zu können. Der Abbau des Arbeitskräftemangels im finnischen Schaustellergewerbe ist eine weitere Herausforderung. Die Vermittlung von Arbeitskräften aus EU-Ländern, wie zum Beispiel Polen, ist dabei kein Problem. Sobald aber Mitarbeiter aus nicht EU-Ländern, zum Beispiel aus der Ukraine, vermittelt werden, ist das mit einem sehr großen bürokratischen Aufwand, Zeit und nicht zuletzt Kosten verbunden. Hier brauchen wir Entlastung.

Stichwort: Europa. Welche Bedeutung hat für Sie die Europäische Schausteller-Union?
Tuomo Seiterä:
Die Arbeit der ESU als europäischer Interessenverband ist für uns Schausteller sehr wichtig. Nehmen wir zum Beispiel das Treffen vor zwei Jahren in Helsinki, als Präsident Ritter und Generalsekretär Severeyns bei uns waren, um uns im Gespräch mit den Regierungsvertretern zum Thema Fahrlizenzen zu unterstützen. Darüber hinaus ist der kontinuierliche Austausch im europäischen Kollegenkreis von großer Bedeutung. Denn egal ob in Finnland, Portugal oder Belgien – die Probleme sind dieselben in ganz Europa. Sich auszutauschen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten oder einfach nur zu hören, wie anderenorts, Lösungen gefunden wurden, das ist sehr wichtig. Die Losung lautet: Einigkeit macht stark!

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Tuomo Seiterä und seine Frau Mari
 
Zur Person
Tuomo Seiterä ist Präsident des Finnischen Schaustellerverbandes. Gemeinsam mit seiner Frau Mari leitet er den von seinem Vater im Jahr 1966 gegründeten Schaustellerbetrieb Seiterä Funfair. In diesem Jahr feierte das Unternehmen sein 50. Jubiläum