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„Wir sind und bleiben in Europa eine Familie“
Interview mit dem britischen Schaustellerpräsidenten John Culine MBE 

Seit über 125 Jahren setzt sich der britische Schaustellerverband Showmen's Guild of Great Britain, Mitglied in der Europäischen Schausteller-Union, für die Rechte und Interessen seiner Mitglieder und die Sicherung der Volksfeste ein.
Im KOMET-Interview berichtet John Culine MBE, seit Januar 2016 Präsident des britischen Schaustellerverbandes, über Schaustellerpolitik im Vereinigten Königreich.
 

Welche Themen beschäftigen die britischen Schausteller aktuell?

John Culine MBE: Es gibt in Groß Britannien große Probleme mit dem Wettbewerb, der Marketingpolitik von Städten und den Volksfestplätzen. Der Konkurrenzkampf, beispielsweise zu Einkaufszentren wie New Castle Mall, die außerhalb der Innenstädte liegen, ist groß. In Schottland müssen die Kollegen nach wie vor für jedes Gastspiel eine Volksfestlizenz bei bis zu 32 verschiedenen sogenannten „Local Authorities“ beantragen, um ihrem Beruf nachgehen zu können. Diese Lizenz ist in England, Irland und Wales nicht erforderlich.
Ein weiteres Problem, das uns beschäftigt, ist das Thema Geldkarten. Die Menschen haben kaum noch Bargeld in der Tasche. Alles wird heute mit der Plastikkarte bezahlt und es wird auch erwartet, dass man überall bargeldlos bezahlen kann. 

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John Culine MBE ist seit Januar 2016 Präsident des britischen Schaustellerverbandes
 

Was sind die Hauptaufgaben des Showmen's Guild of Great Britain?

John Culine MBE: Es gibt eine Menge zu tun. Seit der Gründung unseres Verbandes im Jahr 1889 gilt es, die Interessen der Schausteller zu vertreten und das Gewerbe zu schützen. Die Schaustellerei ist ein Beruf, so wie Ärzte oder Rechtanwälte. Jeder Berufsstand hat seine Interessenvertretung und wie setzen uns für die Belange der britischen Schausteller ein. Wir sind stolz darauf, dass unser Verband von Jahr zu Jahr größer wird.

Stichwort: Europa. Welche Bedeutung hat für Sie die Europäische Schausteller-Union?

John Culine MBE: Die Vertretung von Schaustellerinteressen, ob nun in den nationalen Verbänden oder europaweit in der ESU, ist eine bedeutende Aufgabe. Wir Briten sind ein Teil von Europa und ein wichtiger Teil innerhalb der Europäischen Schausteller-Union. Darüber hinaus finde ich es grundsätzlich wichtig, auch über Europa hinaus Kontakte zu knüpfen. Ich war zum Beispiel vor kurzem in New York und habe mich dort bei einem Besuch des Vergnügungsparks auf Coney Island mit Schaustellerkollegen unterhalten.

Wird der Brexit einen Einfluss auf die internationale Zusammenarbeit der europäischen Schausteller haben?

John Culine MBE: Grundsätzlich denke ich, dass wir beim Thema Brexit die politische Entwicklung abwarten müssen. Was die europäische Schaustellersolidarität anbelangt, wird sich nichts ändern. Wir sind und bleiben in Europa eine Familie und jeder, der ein Problem hat, dem wird geholfen. Das europäische Schaustellergewerbe hat eine jahrhundertealte Tradition. Ich bin sehr stolz aus einer Familie zu kommen, deren Geschichte bis in 17. Jahrhundert zurückreicht. 


Zur Person
John C. Culine kam im Jahr 1947 in einem Wohnwagen auf dem Volksfest im englischen Spennymoor auf die Welt. Er stammt aus einer alten Schaustellerfamilie. Für seine Verdienste um das britische Schaustellergewerbe und sein ehrenamtliches Engagement für seine Heimatstadt wurde ihm 2007 von der englischen Königin der britische Verdienstorden „Order of the British Empire“ verliehen. Seit Januar 2016 ist John Culine Präsident des britischen Schaustellerverbandes Showmen’s Guild of Great Britain.
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Stichwort: Showmen’s Guild of Great Britain

Der britische Schaustellerverband Showmen’s Guild of Great Britain wurde 1889 ursprünglich als United Kingdom Van Dwellers Protection Association im englischen Salford gegründet. 1917 folgte die Umbenennung in Showmen’s Guild of Britain. Der Fachverband vertritt heute die Interessen von rund 5.000 Mitgliedern und ihren Familien in zehn regionalen Sektionen, u.a. Yorkshire, Südwales und Schottland.