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„Wir schauen optimistisch in die Zukunft“
Die Präsidentin des schwedischen Schaustellerverbandes Barbro Hägg im KOMET-Gespräch 

Wie war die Volksfest-Saison 2016 in Europa? Welche aktuellen Themen beschäftigen die Schaustellerkollegen in den ESU-Mitgliedsländern? Wir haben die Präsidenten und Vorsitzenden der nationalen Verbände befragt. Heute im KOMET-Interview: Barbro Hägg, Präsidentin des schwedischen Schaustellerverbandes Sweden Tivoliägare Association.

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Barbro Hägg ist Präsidentin des schwedischen Schaustellerverbandes Sweden Tivoliägare
Association und Repräsentantin ihres Landes in der Europäischen Schausteller-Union
 

Barbro Hägg, wie beurteilen Sie den bisherigen Verlauf der Volksfest-Saison in Schweden?
Barbro Hägg: Wir blicken auf eine großartige Saison 2016 zurück. Die Schausteller in Schweden sind sich der gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen bewusst. Und als starke und dynamische Unternehmer haben sie gelernt, frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren. Das bedeutet finanzielle Investitionen, zum Beispiel in die Modernisierung der Fahrgeschäfte. Die Anforderungen der Besucher nach neuen Angeboten, aber auch Forderungen der Politik, Themen wie Bürokratie, Umwelt, Sicherheit, Arbeitsumgebung, Transport-Probleme, Führerscheine und Steuern gilt es zu berücksichtigen. Die Schwierigkeit besteht darin, die Behörden und politischen Vertreter zu überzeugen, dass sie unsere Arbeit als einen kulturellen Beitrag für die Gesellschaft anerkennen. Doch wir sind zuversichtlich und schauen optimistisch in die Zukunft. 

Welche Themen beschäftigen die schwedischen Schausteller aktuell?
Barbro Hägg: Die Probleme sind wie schon erwähnt vielschichtig. Da wären die Mehrwertsteuer, Arbeitssicherheitsfragen, die mit dem Transport verbunden sind, neue Kfz-Steuern und Gebühren. Hinzu kommt das Thema Führerschein und die veraltete Lotterie- und Spieleverordnung. In Schweden wird immer weniger mit Münzen und Banknoten bezahlt. Der bargeldlose Zahlungsverkehr ist auf dem Vormarsch. Registerkassen sind für die Betriebe Pflicht und wer sie nicht verwendet, riskiert hohe Geldstrafen. Behörden und Verwaltungen erkennen oftmals nicht die mit ihren Vorschriften verbunden praktischen Probleme und wirtschaftlichen Auswirkungen für die Schaustellerbranche. 

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Für ihre Verdienste um die Entwicklung der schwedischen Freizeit- und Tourismuswirtschaft
wurde im Dezember 2009 die Barbro Hägg in Stockholm von König Karl XVI Gustaf mit der
Goldmedaille der Kungliga Patriotiska Sällskapet ausgezeichnet.
 

Wie lauten Ihre Forderungen an die Politik?
Barbro Hägg:
Unser Ziel sind direkte Gespräche mit den Interessenvertretern aus Politik und Verwaltung. Wir wollen frühzeitig zu Entscheidungstreffen hinzugezogen werden und Informationen erhalten, die unsere Branche betreffen. 

Was sind die Hauptaufgaben des schwedischen Schaustellerverbandes?
Barbro Hägg:
Es geht darum, gemeinsam Stärke zu zeigen und sich als gesellschaftlich anerkannte Branche zu präsentieren. Unsere Mitglieder sind die kompetenten Ansprechpartner für Behörden und Politik. Weiterhin ist es unsere Aufgabe, Verwaltungen, Regierungen und Politiker davon zu überzeugen, dass wir wichtige Kulturarbeiter sind, die mit ihrem unternehmerischen Mut und Elan ein wichtiges ausgleichendes Rädchen im Getriebe unserer so hektischen Zeit sind. Mit unseren Angeboten bieten wir der Gesellschaft, bieten wir den Menschen ein Ventil, eine Möglichkeit der Ablenkung und Zerstreuung. 

Vor welchen zukünftigen Herausforderungen steht die schwedische Schaustellerbranche?
Barbro Hägg:
Wir wünschen uns, dass der Schaustellernachwuchs das gleiche Engagement, den gleichen Stolz und unternehmerischen Geist entwickelt, wie die älteren Generationen. Die neue Generation steht vor großen Anforderungen was die wirtschaftliche Zukunft aber auch die Entwicklung neuer Angebote für die zukünftige Tourismusbranche betrifft. 

Stichwort: Europa. Welche Bedeutung hat für Sie die Europäische Schausteller-Union?
Barbro Hägg:
Wir Schausteller in Europa können seit Generationen sehr stolz sein auf die erfolgreiche und großartige Arbeit der ESU für unsere Branche. Unser Zusammenhalt gibt uns Kraft in den Verhandlungen mit Behörden und Politik, egal in welchem Land wir leben oder welcher Nation wir angehören. 

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Barbro Hägg (rechts) mit der Präsidentin der Europäischen Schaustellerfrauen-Union
Rosa Severeyns (links) und Vizepräsidentin Anika Theunisz. Fotos: ESU
 
Zur Person
Barbro Hägg ist Präsidentin des schwedischen Schaustellerverbandes Sweden Tivoliägare Association (STF) und Repräsentantin ihres Landes in der Europäischen Schausteller-Union. Gemeinsam mit ihrem Sohn Richard Berglund leitet sie den Freizeitpark Ölands Djur & Nöjespark (Ölands Tier- und Vergnügungspark) auf der schwedischen Ostseeinsel Öland, der zu den größten Freizeitparks Schwedens zählt. 
Für ihre Verdienste um die Entwicklung der schwedischen Freizeit- und Tourismuswirtschaft wurde Barbro Hägg im Dezember 2009 in Stockholm von König Karl XVI Gustaf mit der Goldmedaille der Kungliga Patriotiska Sällskapet ausgezeichnet.