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Europäische Schausteller-Union:
Gemeinsam für die Sicherung der Volksfeste in Europa

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Einigkeit macht stark! Die Teilnehmer des ESU-Kongresses 2016 in Lissabon. Foto: ESU
 

Ein wirtschaftlich schwieriges Jahr liegt hinter den Schaustellern in Europa. Zum Abschluss der Saison erklärten die Präsidenten und Vorsitzenden der ESU-Mitgliedsverbände, dass vor allem das schlechte Wetter im Frühjahr sich negativ auf die Umsätze ausgewirkt hätte. Ab Juni konnten wieder mehr Besucher verzeichnet werden; ein Zeichen dafür, dass die Menschen trotz der aktuellen Krisen und politischen Entwicklungen in Europa der Kirmes treu bleiben und ihre Traditionen pflegen.

Die Schaustellerbranche in Europa: das sind tausende überwiegend kleine und mittlere Unternehmen. Für die Verbesserung ihrer Rahmenbedingungen setzt sich seit über 60 Jahren die Europäische Schausteller-Union ein. Die ESU und ihre nationalen Mitgliedsverbände kämpfen erfolgreich gegen steigende Kosten, Gebühren, Bürokratie und Behördenwillkür. 

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Diskussion internationaler Schaustellerthemen auf dem ESU-Kongress. Foto: ESU
 

Europäischer Schaustellergipfel in Lissabon

Vom 29. bis 31. Januar fand in Lissabon der 39. Kongress der Europäischen Schausteller-Union statt. Zahlreiche Vertreter aus den nationalen Verbänden waren der Einladung in die portugiesische Hauptstadt gefolgt, um aktuelle Themen des europäischen Schaustellergewerbes zu beraten. Bei den turnusmäßigen Wahlen wurde das Präsidium einstimmig in seinem Amt bestätigt.

Zu Beginn der Generalversammlung, die alle zwei Jahre tagt, berichteten Präsident Albert Ritter und Generalsekretär Steve Severeyns über die Arbeitsergebnisse des vergangenen Geschäftsjahres. Mit Blick auf die Sicherung der Volksfeste in Europa verwies Präsident Ritter auf die Bedeutung der Arbeit auf europäischer Ebene und in den nationalen Parlamenten.

Im Anschluss referierte DSB-Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg über aktuelle Schaustellerprobleme in Deutschland, wie die Umsetzung der EN 13814, die Anerkennung der Volksfeste als immaterielles Kulturgut, die Einführung des Mindestlohns sowie die Neuordnung des Vergaberechts. Die europaweite Diskussion dieser Themen sei, wie Präsident Ritter betonte, sehr wichtig, da sie schon heute oder in naher Zukunft auch die Kollegen in den europäischen Nachbarländern betreffen würden. Dem Fachvortrag von Hauptgeschäftsführer Hakelberg schloss sich eine Diskussion der Delegierten über weitere aktuelle Themen aus den nationalen ESU-Verbänden an. So informierte Ehrenpräsident Heimo Medwed über die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Österreich und die Folgen für das Schaustellergewerbe. Positiv sei zu berichten, dass man bei Plänen zur Einführung von elektronischen Registrierkassen durch frühzeitiges Intervenieren auf politischer Ebene Ausnahmeregelungen für Schaustellerbetriebe hätte erzielen können. Präsident Ritter erläuterte die Brisanz dieses Themas. Der von den österreichischen Kollegen erzielte Kompromiss sei wegen seiner Signalwertung für die anderen EU-Länder sehr hoch zu bewerten.

Das Jahrestreffen wurde von einem bunten Rahmenprogramm begleitet. Am Ende des ersten Tages hatte der gastgebende portugiesische Schaustellerverband zu einem gemütlichen Treffen im Kollegenkreis eingeladen. Da durfte zu vorgerückter Stunde natürlich auch der Auftritt eines Fado-Trios nicht fehlen, der die Gäste begeisterte.

Am zweiten Abend stand zunächst der Besuch einer Indoor-Kirmes auf dem ehemaligen Gelände der EXPO 98 auf dem Programm. Anschließend wurden die Gäste in einem Restaurant mit landestypischen Spezialitäten – garniert mit portugiesischen Liedern – verwöhnt. 

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Präsident Albert Ritter (links) und Gérard Larcher, Präsident des französischen Senats. Foto: ESU
 

ESU-Delegation zu Gast im französischen Senatspalast

Zu einem internationalen Austausch über die Anerkennung der europäischen Volksfeste als immaterielles Kulturgut trafen sich am 6. April in Paris über 150 Politiker, Kulturschaffende und Schausteller aus Frankreich, Schottland, Belgien, Deutschland und den Niederlanden. Der französische Senator Alain Gournach und Xavier Saguet, Organisator der Fête des Loges, einem der ältesten französischen Volksfeste, hatten zu einer „Dîner Débat“ in das ehrwürdige Palais du Luxembourg, Sitz des französischen Senats, eingeladen. Von Seiten der Europäischen Schausteller-Union nahmen Präsident Albert Ritter, Vizepräsident Franck Delforge, Generalsekretär Steve Severeyns und als Vertreter der Europäischen Schaustellerjugend-Union, Präsident Kevin Kratzsch, an dem Empfang teil. 

Der über 300 Jahre alte „Salons de Boffrand de la Présidence“ im Senatspalast war von den französischen Schaustellerkollegen liebevoll mit Exponaten aus dem Pariser Schaustellermuseum „Musée des Arts Forains” dekoriert worden. Als Überraschung spielte im Empfangssaal eine historische Konzertorgel die französische Nationalhymne. Kein geringerer als der Präsident des französischen Senats, Gérard Larcher, hieß die Gäste willkommen. Er verwies in seiner Begrüßung unter anderem auf das soziale Engagement der Schausteller in Europa. Volksfeste seien, betonte der Präsident, Stätten der Integration und die Arbeit der Schausteller sei mehr als anerkennenswert.

ESU-Präsident Albert Ritter erinnerte in seiner Rede an die 1200 Jahre alte europäische Volksfesttradition. Dies allein sei schon ein Beleg für ihre kulturelle und historische Bedeutung. Es sei nun allerhöchste Zeit, dass die Politik in den europäischen Staaten dies nun auch anerkennt und die UNESCO, als offizielle Organisation der Vereinten Nationen, dementsprechend überzeugt.

Die Gäste im Senatspalast, unter ihnen zahlreiche Deputierte des französischen Senats und Europaabgeordnete, erklärten einstimmig, die Bemühungen zur Anerkennung der Volksfeste als immaterielles Kulturgut in Europa unterstützen zu wollen. 

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Der Heilige Vater im Gespräch mit Präsident Albert Ritter.
Foto: Photographic Service of L’Osservatore Romano.
 

Papst Franziskus bedankt sich bei Europas Schaustellern

In einer Sonderaudienz empfing Papst Franziskus am 16. Juni Schausteller und Circusangehörige aus ganz Europa im Vatikan. Mit bewegenden Worten bedankte sich der Heilige Vater bei seinen Gästen für ihr besonderes Engagement, mit dem sie „Licht in das Dunkel des Tages“ brächten. „Ihr seid Handwerker des Feierns des Wunderbaren, des Schönen: Mit diesen Eigenschaften bereichert ihr die Gesellschaft und die ganze Welt“, sagte der Papst. Präsident Albert Ritter überreichte dem Kirchenoberhaupt im Namen der Europäischen Schausteller-Union eine Einladung für 1000 bedürftige Kinder zu einem kostenlosen Kirmesbesuch. 

Fest und Freude nannte Papst Franziskus in seiner Rede an die 7000 Audienzteilnehmer als die charakteristischen Merkmale der Schausteller und Zirkusangehörigen und erklärte, dass diese beiden Elemente im Jahr der Barmherzigkeit nicht hätten fehlen dürfen. „Ich beglückwünsche euch“, so der Papst, „denn in diesem Heiligen Jahr habt ihr eure Vorführungen auch für die Notleidenden geöffnet, die Armen und Obdachlosen, Gefängnisinsassen und benachteiligten Jugendlichen. Auch das ist Barmherzigkeit: Schönheit und Fröhlichkeit in einer manchmal auch düsteren und traurigen Welt zu säen. Danke! Vielen Dank dafür!“

Der Heilige Vater ermutigte die Schausteller und Circusleute, selbst zu Missionaren zu werden, denn, so erklärte er: „Ihr habt eine spezielle Gabe: Mit euren stetigen Ortswechseln könnt ihr die Liebe Gottes zu allen Menschen bringen, seine Umarmung und seine Barmherzigkeit. Ihr könnt eine fahrende christliche Gemeinschaft sein, Zeugen Christi, der stets unterwegs ist, um auch die am weitest entfernten zu treffen.“ 

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Die Pilgergruppe vor der Basilika San Giovanni dei Fiorentini.
Foto: Katholische Circus- und Schaustellerseelsorge
Deutschland - Nationalseelsorger Pfr. Sascha Ellinghaus
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Zahlreiche Schaustellerinnen und Schausteller aus ganz Europa waren nach Rom gereist, um die Begegnung mit dem Heiligen Vater gemeinsam zu feiern. Die Katholische Circus- und Schaustellerseelsorge hatte anlässlich der Papstaudienz eine Pilgerfahrt mit einem bunten Reiseprogramm vorbereitet.

Präsident Albert Ritter zeigte sich, wie alle Audienzteilnehmer, von der Begegnung mit Papst Franziskus tief beeindruckt und erklärte: „Man spürte sehr deutlich, dass der Heilige Vater uns Schausteller in besonderer Weise in seinem Herzen trägt.“
Das Fest und die Freude seien Kennzeichen ihrer Identität, ihrer Berufe und ihres Lebens, hatte Papst Franziskus in seiner Rede an die Schausteller betont. Die Pilgerfahrt nach Rom war ein wunderbares Fest der Freude. 

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Das Präsidium der ESU mit den Vizepräsidenten Chris Piper, Charles Senn, Franck Delforge,
Nicole Vermolen, Generalsekretär Steve Severeyns und Präsident Albert Ritter (v.l.). Foto: ESU
 
Ausblick

Die Erfolge, die die Europäische Schausteller-Union seit ihrer Gründung im Jahr 1954 erzielen konnte, sind das Ergebnis intensiver Gespräche und Verhandlungen mit den Ansprechpartnern in Politik, Verwaltung und Verbänden. Die Themenpalette reicht dabei von Verkehrs- und Sicherheitsfragen, Normung, steuerlichen Entlastungen, Sicherung von Standorten, Windlast- und Umweltschutzzonen, kulturelle Anerkennung der Volksfeste bis hin zum Lebensmittelrecht und Weiterbildung. Und immer geht es um die Verbesserung der Rahmenbedingungen, denn nur so ist langfristig eine Sicherung von Arbeitsplätzen und der Erhalt des jahrhundertealten Kulturguts Volksfest möglich.

Die ESU ist ein starker Berufsverband – für die Schausteller, das Schaustellergewerbe und die Volksfeste in Europa.